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September 2026
Häusle-Villa und Stickerei
Am 6. Juli 1856 kauft Sattlermeister Josef Anton Werder um 200 Gulden circa 1 ½ Pfundlohn Weinreben – rund 650 Quadratmeter – bei der St.-Peters-Kirche und errichtet mit seiner Frau Josefa auf dem Grundstück ein einfaches Wohnhaus. 1864 erkrankt Josef Werder schwer und wurde in die Heil- und Pflegeanstalt auf St. Pirminsberg in Pfäfers eingewiesen. Er leidet unter Wahnvorstellungen, meint er sei der rechtmäßige Kaiser von Österreich. Nach dem Tod der Werders wird das Haus 1902 aufgrund der großen Anzahl an Erben (41) versteigert.
Der wohlhabende Stickermeister Johann Marte und seine Frau Paulina, eine Großnichte von Josefa Werder, ersteigern das Haus und bauen es zu einer stattlichen Jugendstilvilla mit Laubenveranda und Turmzimmer um. Die angrenzende Stickerei wird 1907 errichtet, eine weit größere 1908 zum Schwarzen Adler hin erbaut. Manchen ist sie noch als „Nebenschule” der Volksschule bekannt, sie wird 1983 abgerissen.
Die Tochter Paula bleibt im Elternhaus und heiratet 1938 Josef Häusle aus Satteins, der in Friedrichshafen als Elektriker tätig ist. Dort kommt im selben Jahr Sohn Herbert zur Welt. Tochter Elisabeth (Wäger-Häusle) erblickt 1942 in der Villa das Licht der Welt. Paula Häusle vermacht 1990 das Haus ihren beiden Kindern. Im selben Jahr wird es unter Denkmalschutz gestellt und verharrt lange Zeit in einem Dornröschenschlaf. 2019 wird die nun mehr als Häusle-Villa bekannte Villa von der Marktgemeinde gekauft. Keine vier Monate später, am 14. März 2020, steht das Haus in Flammen.
Die Archivalie des Monats zeigt den „Plan über eine Waschküche und Arbeitslokal für Stickerei-Industrie des Herrn J. Marte in Rankweil“. Im südlichen Eingang sind eine Waschküche und ein Abort zu finden, der restliche Teil des Gebäudes dient als Maschinenraum für „2 Schifflemaschinen 13 ½ Yard“. Heute ist die Stickerei Raum für Kultur und Begegnung.
Das Bild von Herbert Rauch aus dem Jahr 1982 zeigt die große Stickerei, die bereits schon seit Langem als "Nebenschule“ benutzt wird. Ein Jahr später wird sie abgerissen – heute steht an dieser Stelle das Sigmund-Nachbauer-Denkmal im Park bei der Häusle-Villa.
Tag des Denkmals am 27. September 2026 von 10 bis 14 Uhr Am Tag des Denkmals kann die Häusle-Villa besichtigt werden; es finden von 10.30 bis 13.30 Uhr stündlich Führungen statt. Die Geschichte der Häusle-Villa kann in der 9. Ausgabe der „Dokumente Rankweil“ mit dem Titel „Werder. Marte. Häusle. Villa“ nachgelesen werden. Preis 12 Euro.